Das Geschäft von Airbnb boomt. Noch nie war es Reisenden möglich, so günstig und gleichzeitig mitten in der Stadt eine Unterkunft zu buchen. Das Angebot hat aber auch seine Schattenseiten. Ein Bericht über meine Erfahrungen, die ich mit Airbnb gemacht habe.

 

Heute Berlin, morgen Madrid und am Wochenende Wien

Es ist Sommer und die Tage sind lang, die schönsten und größten Städte Europas sind heute nur einen Katzensprung entfernt. Da sage ich natürlich nicht nein und stelle mir vor einer Reise jedes Mal dieselbe Frage: Welche Unterkunft eignet sicht für mich?

Ein Hotel ist deutlich teurer, liegt aber meistens direkt im Stadtzentrum. Eine Nacht in einer Pension kostet oft nur einen Bruchteil davon, liegt aber auch etwas außerhalb und dementsprechend verlängern sich die Fahrtzeiten.

Da neigt man dazu, doch lieber etwas mehr Geld auszugeben, es sei denn, es gäbe noch eine weitere Option. Praktisch der Kompromiss zwischen zentraler Lage und einem guten Preis. Beides scheint das Portal aus dem Silicon Valley zu bieten und ist damit auch seit Jahren erfolgreich.

 

Privatvermietung als die Antwort auf die Zwickmühle zwischen Preis und Lage

Ich beschloss also, es auszuprobieren und buchte im November 2017 ein Zimmer in München. Da ich dort sowieso für ein Seminar unterwegs war, war das eine gute Gelegenheit. Wird schon irgendwie klappen, dachte ich mir. Ein mulmiges Gefühl hatte ich trotzdem. Wie ist mein Gastgeber wohl? Wird es nicht komisch sein, in einer fremden Wohnung zu übernachten?

Mein Gastgeber war ein junger Münchner, der sein Schlafzimmer vermietet. Das machen viele, erzählte er mir: ,,Die Mieten in München und Umgebung sind so hoch, dass du deine Wohnung an Gäste vermieten musst, um sie bezahlen zu können“. Airbnb sei da eine willkommene Möglichkeit für einen Nebenverdienst.

Ob er den Austausch mit den Gästen aus aller Welt mag, habe ich ihn leider nicht gefragt. Er war – wie alle drei meiner bisherigen Gastgeber – nahezu unsichtbar während meines Aufenthaltes. Bei der Ankunft erklärte er mir die Besonderheiten, die jede Wohnung hat, gab mir das WLAN-Passwort und zeigte mir, wo ich das Kaffeepulver finde. Das war das erste und einzige Mal, dass ich meinem Gastgeber begegnete.

Im November 2017 ging es ein weiteres Mal nach München – selbes Ziel, wieder Airbnb. Dieses Mal stellte mir ein Münchner sein Wohnzimmer zur Verfügung, das er während der Semesterferien vermietet. Auch hier lief die Kommunikation reibungslos ab und der Aufenthalt war ein voller Erfolg.

Meine dritte Reise inklusive Airbnb-Unterkunft ging nach Wien und war überraschend – aber ganz sicher nicht im negativen Sinne. G. war bis dato der älteste der Gastgeber, er wohnt in einer Altbauwohnung im Bezirk Leopoldstadt. Von dort ist es nicht weit bis zum Handelskai, das direkt zur Millenium City führt.

Etwas gespenstisch wirkte der Hausflur, die Wohnung befand sich im vierten Stock und der Innenhof war umgeben von mehren, direkt aneinander angrenzenden Häusern. Mein Gastgeber erzählte mir, er saniere im Moment die Wohnung nebenan, die nach der Fertigstellung ebenfalls für Gäste zur Verfügung stehen solle. Nicht zuletzt, weil sich die Dusche direkt in der Küche befindet, sei es dringend notwendig, den Gästen mehr Platz und Komfort zu bieten. Gestört hat sich daran jedoch bisher kein Reisender.

 

Airbnb boomt auf Kosten Wohnungssuchender

Der Wohnungsmarkt in den Städten ist seit Jahren miserabel, trotz der Mietpreisbremse seit Anfang des Jahres – es gibt nicht genug Wohnungen, die Nachfrage überholt das Angebot um ein Vielfaches. Privat an Gäste vermieten wirkt da wie Öl das in Feuer gegossen wird. Das Prinzip der Plattform ist dafür umso einfacher und erfordert keine besonderen Voraussetzungen. Auf der Plattform registrieren, Fotos von den eigenen vier Wänden hochladen, Informationen eingeben – fertig! Nun können die Gäste kommen und wenn die Lage der Wohnung halbwegs gut ist, wird das unter Garantie passieren. Dementsprechend viele Mieter gibt es, die sich das Konzept zunutze machen.

Dass dabei ohnehin schon rarer Wohnraum langfristig von vielen verschiedenen Kurzzeitbewohnern blockiert wird, darüber machen sich wohl die Allerwenigsten Gedanken – was ich verstehen kann, denn gebucht wird in der Regel frühzeitig und die begrenzten Urlaubstage die man hat wollen genossen werden.

Besonders problematisch wird es, wenn Mieter mehrere Wohnungen anmieten oder ihre Privatwohnung ausschließlich als Unterkunft vermieten. Hier geht nämlich richtig viel Wohnraum verloren. Der Stadtbewohner, der seine Couch vermietet, um die Miete aufzubringen, dürfte weniger problematisch sein. Und dennoch greift die ein oder andere Stadt hart durch: Um beispielsweise in Wien eine Wohnung über Airbnb vermieten zu dürfen, braucht es eine ausdrückliche Genehmigung der Stadt, andernfalls drohen Geldstrafen im fünfstelligen Eurobereich.

 

Fazit: Ist Flat-Sharing Top oder ein Flop?

Mitten in der Wohnung eines Fremden übernachten, ein fremdes Bad nutzen oder eine Dusche in der Küche einer Altbauwohnung – wer damit kein Problem hat und nicht abgeneigt ist, mit den Menschen zu reden, für den ist Airbnb eine richtig gute Alternative. Denn eins ist sicher: Beim gewohnten und kurzen Kontakt mit den Mitarbeitern an einer Hotelrezeption bleibt es bei Airbnb nicht. Der Austausch mit einem gebürtigen Stadtbewohner ist inklusive.

Ich habe in allen drei Fällen sehr gute Erfahrungen gemacht, hatte keine Probleme bei der Kommunikation oder mit An- und Abreisezeiten. Das kann wahrscheinlich auch anders laufen, doch die positive Resonanz lässt vermuten, dass das eher selten der Fall ist. Es ist sinnvoll, vor der Buchung die Bewertungen zu lesen.

Das Konzept ist dennoch nicht völlig unkritisch zu betrachten. Es löst zwar Probleme, schafft aber auf der Gegenseite auch völlig neue und das hauptsächlich auf dem Rücken der Stadbewohner.