Wie lebt es sich als Freiberufler? Vor fünf Jahren fand ich diese Frage hochspannend und habe mir das bis zu diesem Zeitpunkt so vorgestellt: Zuhause arbeiten, wo und wann ich möchte. Spannende Aufträge erhalten und die Arbeit kommt zu mir, anstatt dass ich zur Arbeit gehe. Die Realität sieht anders aus. Oft gibt es weniger Aufträge als erhofft und die zu bekommen ist sowieso nicht ohne. Mittlerweile bin ich fast zwei Jahre freiberuflich tätig. Wie ist die Zeit gelaufen?

Nur ein Formular

Aber vorher noch ein wenig Prolog: Früher dachte ich, ich muss drei Buchhaltungs- und vier Managementkurse besuchen, um Freiberufler werden zu können. Heute weiß ich, dass bis auf ein einziges Formular erstmal nichts nötig ist, organisatorisch gesehen jedenfalls.

Die freiberufliche Tätigkeit, wie es das Finanzamt nennt, reicht noch nicht zum Überleben. Ich arbeite seit drei Jahren in einer IT-Firma und baue mir nebenbei ein Standbein auf. In erster Linie habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht, mehr zunächst nicht. Das klingt im ersten Moment vielleicht ernüchternd, macht aber trotzdem eine Menge Spaß. Websites gestaltet und programmiert habe ich sowieso schon lange davor – nur ist es jetzt lukrativ und meine Kunden waren bislang immer zufrieden.

Lernkurve und Kundenumgang

„Arbeite um zu lernen, nicht für Geld“, schrieb Robert Kiyosaki in seinem Buch Rich Dad, Poor Dad. Es ist nicht verkehrt, mit seiner Arbeit kommerziellen Zielen zu folgen. Es sollte aber nicht unbeachtet bleiben, dass wir alle uns immer weiterentwickeln und dazu lernen. Alleine in den Aufbau dieser relativ überschaubaren Website habe ich etliche Stunden investiert. Hier und dort fällt einem etwas Bessers ein, dann muss mal eine Grafik getauscht werden und neue Posts im Blog erscheinen sowieso immer wieder.

Das A und O ist der Umgang mit meinen Kunden. Freundliches Auftreten und Zuhören sind noch kein Garant dafür, dass ich gut mit unterschiedlichsten Menschen nachhaltig kommunizieren kann. Vor allem, wenn ein Kunde unschlüssig ist oder es schwer fällt das Anliegen zu schildern, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Das musste ich mit der Zeit lernen und bin besser darin geworden.

Programmieren ist ein ewiger Lernzprozess, Designen genauso. Ältere Projekte empfinde ich heute als etwas überholt, aber schätze sie trotzdem. Einige Projekte erhalten einfach ein Update und sind technisch und programmatisch wieder top, wie zum Beispiel meine App Valeria.

Mittlerweile bin ich immer wieder auf der Suche nach neuem Input, um besser, vernetzter und effizienter zu werden. Beim Thema digitales Lernen hole ich mir gerne Tipps bei Erik und Sören von Blaue Dächer.

Es ist nicht einfach

All diese Vorbereitungen sind wirkungslos, wenn man nicht in die Offensive wechselt. Ich habe keine Probleme, auf Menschen zuzugehen. Die Frage ist nur, wo halten sich die zukünftigen Geschäftspartner auf? Freiberufler-Portale halte ich für Zeitverschwendung und Self-Dumping. Die einen konkurrieren mit anderen Freiberuflern um Projekte, die oft ein recht niedriges Budget mitbringen. Die anderen halten die Augen nach Auftraggebern offen die bereit sind, für gute Arbeit ein höheres Budget anzusetzen.

Die Umsetzung kann schleppend vorangehen, Informationen fließen zäh oder erst nach Wochen. Das wirkt sich unter Umständen negativ auf die Qualität des Produktes aus, im schlimmsten Fall plant der Kunde intern um. Um solch einer Situation vorzubeugen, empfiehlt Silvio von der Kunze Media UG Serviceveträge anstelle eines reinen Stundensatzes. Der erhöht im Zweifel die Zahlungsgarantie.

Alles in Allem ist es nicht leicht, aber es lohnt sich, selbst wenn es am Anfang „nur“ ein Nebenverdienst ist (die Erfahrung die Du dabei sammelst, sind unbezahlbar).

Wie wird man Freiberufler?

Und am Ende noch ein Mini-Guide für alle, die sich trotz meiner teils nüchternern Erläuterungen in die Freiberuflichkeit stürzen wollen. Denn trotz aller Widrigkeiten ist es der erste Schritt in Richtung der Selbstständigkeit. In der Firma ist auch nicht jeder Tag ein Ponyhof.

Die Anmeldung ist ganz leicht, es muss der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausgefüllt werden. Hilfe beim Ausfüllen gibt’s an vielen Stellen im Internet. Einige Wochen später schickt das Finanzamt einen Brief mit der Steuernummer. Diese kann ab dem Moment auf Rechnungen und im Impressum angegeben werden und wird im nächsten Jahr in der Steuererklärung verwendet.

Hier findest du mehr Artikel zum Thema Freiberuflichkeit und IT-Unternehmen aus meinem Blog.