Es ist Montagmorgen. Hastig laufe ich auf den Bahnhof zu und befrage währenddessen den Voice Assistant meines Smartphones, ob die Bahn heute morgen auch wirklich pünktlich abfährt. In der Bahn angekommen, scrolle ich durch meinen Newsfeed, den Google basierend auf unzähligen, zuvor von mir gelesenen Artikeln, sorgfältig zusammengestellt hat – mittels künstlicher Intelligenz, versteht sich.

Künstliche Intelligenz umgibt uns zunehmend in unserer hochvernetzten Gesellschaft. Genauer hat sie immer mehr Einfluss auf unseren Alltag – mittelbar, als auch unmittelbar. Es beginnt mit dem morgendlichen Lesen von News, setzt sich im Büro mit der alltäglichen Suchrecherche fort und endet irgendwo in den Weiten des Bankwesens, in denen künstliche Intelligenzen auf internationaler Ebene darüber entscheiden, ob wir vertrauenswürdige Geschäftpspartner sind, analysieren, ob wir eher mit der Kreditkarte zahlen oder bei Käufen eine Rechnung wünschen, und wie unser heutiges Zahlverhalten im Kontext früherer Transaktionen einzuordnen ist.

 

Innovationen auf Kosten des Fortschrittes?

Ein wichtiger Aspekt in der Debatte um künstliche Intelligenz ist die Angst, Privatsphäre würde zum kostbaren Gut werden und die Anonymität zunehmend verloren gehen. Big Data, das permanente Sammeln und Analysieren von Nutzerdaten, ermöglicht nicht nur Voraussagen über aktuelle Entscheidungen, sondern auch über die Zukunft des einzelnen Nutzers. Mehr Daten, genauere Prognosen. As simple as it looks?

Selbstverständlich nicht. Ein einzelner Algorithmus ist noch keine künstliche Intelligenz. Künstliche Intelligenz lässt sich nicht auf ein simples Beispiel herunterbrechen1. Sie findet überall dort Anwendung, wo große Datenmengen automatisiert gesammelt, verarbeitet und analysiert werden, um Voraussagen über das Individuum zu treffen, von dem sie stammen2. Und damit nicht genug – der Automobilkonzern Tesla macht es vor und will das autonome Fahren in der Gesellschaft etablieren. Hierbei wird das Fahrzeug zum permanenten Betrachter, zum Einsatz kommen Radar- und Ultraschallsensoren, wie auch Live-Kameras, die permanent das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer aufzeichnen, es analysieren, entsprechende Reaktionen des Fahrzeuges in Gang setzen und den Fahrer damit langfristig überflüssig machen sollen.

 

Weiß und schwarz ergeben grau – Praxis versus Medienbericht

Die dunkle Seite künstlichen Lernens ist die Überzeichnung jener in den Medien. Wie weit wir am Anfang mit der Entwicklung durch künstliche Intelligenz gesteuerter Maschinen stehen, zeigen aktuelle Medienberichte zur Entwicklung des autonomen Fahrens. Erst vor einer Woche berichtete die Computer Bild darüber, dass autonome Fahrzeuge derzeit nicht ausreichend zuverlässig sind und bereits durch fehlende Fahrbanstreifen oder rote Aufkleber getäuscht werden können3. Die Folge sind teils schwere Verkehrsunfälle, nicht ausschließlich mit Blechschäden: „Auf der Teststrecke ist das alles kein Problem, im echten Leben sterben bei so einem Unfall Menschen.“, so Computer Bild.

 

Welches Fazit sollen wir als Teil der Gesellschaft nun daraus ziehen, aus dieser einerseits rasanten Entwicklung moderner Technologien und andererseits aus fehlerbehafteten Versuchen, von denen die Medien berichten und an denen augenscheinlich künstliche Intelligenz beteiligt war?

Zunächst sei einmal gesagt, dass künstliche Intelligenz zwar schon an vielen Stellen Einfluss auf unser Leben nimmt, allerdings kontrollierbar ist – in der Regel sogar unmittelbar von ihrem Anwender. Und wenn wir ehrlich sind, nimmt sie uns schon heute diverse Griffe im Alltag ab und sorgt für Fortschrittlichkeit in vielen Lebenslagen. So können wir unser Smartphone, einen der wohl wichtigsten Gegenstände des modernen Lebens, ebenso wie Laptops und Smart TVs allein mit unserer Stimme steuern. Im Newsfeed landen lediglich News, die Medienunternehmen als für uns relevant einschätzen, von der Diskussion um die sogenannte Filter-Bubble an dieser einmal abgesehen4. An all diesen genannten Prozessen sind künstliche Intelligenzen, wachsende, neuronale Netze beteiligt. Konzerne wie Automobil- und Elektronikhersteller stehen in der gesellschaftlichen Verantwortung, Innovationen stets unter Betrachtung und Beachtung der allgemeinen Sicherheit der Gesellschaft zu etablieren. Sie müssen zudem zu den wirtschaftlichen Interessen des Staates jenen Landes passen, in dem hochmoderne Unternehmen ansässig sind. Im Gegenzug stehen wir als Verbraucher in der Pflicht, als Innovation titulierte Neuerungen stets kritisch zu hinterfragen – hinsichtlich ihrer Sicherheit, aber auch ihrer Notwendig- und Umweltfreundlichkeit. Nur so können wir gesamtgesellschaftlich nachhaltige Innovationen schaffen, die im Einklang mit den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen und den Befürfnissen der Verbraucher stehen.


1 https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstliche_Intelligenz, 10. April 2019
2 https://de.wikipedia.org/wiki/Blockchain, 10. April 2019
3 https://www.computerbild.de/artikel/cb-News-Connected-Car-Tesla-Autopilot-Manipulation-22440295.html, 10. April 2019
4 https://www.sueddeutsche.de/digital/eli-pariser-und-die-filter-bubble-ausweitung-der-komfortzone-, 10. April 2019