Gelegentlich werde ich gefragt, warum ich für PHP-Entwicklung keine IDE verwende. Die Antwort fällt mir leicht und das ist gut so – denn meiner Meinung nach benötigt kein PHP-Entwickler eine IDE zum Programmieren.

Es reicht ein Editor mit erweiterten Funktionen wie Notepad++ oder Atom. Warum, erkläre ich im heutigen Beitrag.

Grund 1: IDE schreibt keinen Code – das mache ich

Der Fotograf macht das Bild und nicht die Kamera, wird von Fotografen immer wieder gepredigt. Das Prinzip lässt sich auch auf die Progammierung übertragen. Eine IDE kann noch so gut sein, nützt aber wenig, wenn der Entwickler damit nicht umzugehen weiß. Einen Anfänger wird sie maßlos überfordern (die ersten Stunden in einer IDE sind müßig). Das ist ein Grund, warum PHP und JavaScript als anfängerfreundlich gelten – es sind beides Scriptsprachen, die keine IDE voraussetzen. Ein simpler Editor reicht, zum Anzeigen des Projekts wird maximal ein lokaler Webserver sowie ein Browser benötigt.

Was eigentlich ein Nachteil ist, wird für Anfänger zum Vorteil: es ist keine abstrakte Deklaration von Datentypen notwendig. Über den Lerneffekt kann man streiten. Datentypen werden in jedem Anfängerkurs erklärt, nur muss man sie auch anzuwenden wissen. Das wird sogar im Leistungskurs Informatik gelehrt (man glaubt es kaum). Aber ich schweife ab.

Fazit soweit: Es ist nicht die IDE, die den Code schreibt – das mache nach wie vor ich. Bin ich kein guter Programmierer, schreibe ich in einem Text-Editor genauso Spaghetti-Code wie in jeder IDE. Bin ich gut, fragt hinterher keiner, ob ich mich mit einem Editor abgequält habe. Kostet halt nur mehr Zeit (schlecht, denn „tImE iS mOnEy“, wie ein ehemaliger Chef von mir gerne sagt).

 

Grund 2: PHP ist eine Scriptsprache

Das wohl nützlichste Feature einer IDE ist der integrierte Compiler. Neben Autovervollständigung und Code-Analyse natürlich. Ursprünglich sollten IDEs Entwicklung, Debugging und Testing abdecken. Ein zentrales Element ist der Compiler – den PHP nicht voraussetzt, da Script-Sprache. Debugging-Tools gibt es für jeden Editor, der die Installation von Erweiterungen erlaubt. Trifft auf Atom sowie Notepad++ zu. Diese Tools unterstützen mittlerweile auch Testing – ebenfalls wieder via Erweiterung installierbar.

Debugging und Testing sind also lange keine Privilegien mehr, die nur IDE-Anwendern in die Tasche fallen.

Ab wann kann man einen Editor IDE nennen, hm?

 

Grund 3: PHP-Entwicklung mit IDE kann Geld kosten

Ich habe einige IDEs getestet – auch, ob darin gut PHP programmiert werden kann. Ergebnis ist eher so mittelmäßig. Eclipse und NetBeans sind für Java-Entwicklung ausgelegt. Micro$oft bietet Support für PHP-Entwicklung erst gar nicht an. Ist ja irgendwie auch Quatsch, mit Micro$oft Visual Studio das nächste antikapitalistische Open-Source-Projekt zu bauen.

Wirklich überzeugt hat mich nur PhpStorm von JetBrains (dessen Standort sich übrigens in Prag befindet, dann zahlen die ja bestimmt auch Steuern, oder?). Da die IDE für PHP-Entwicklung optimiert ist, gibt es einen Built-in Webserver, der die Ausführung des Projekts per Klick ermöglicht. Diese Start-per-Klick-Methodik ersetzt den sonst üblichen Compiler und ist schon ein nützliches Feature. Ein lokaler Apache-Server muss zwar konfiguriert werden, ist dank XAMPP aber auch in 10 Minuten startklar. Wieder keine IDE-Exklusivität, ganz und gar nicht.

Im Gegensatz zu NetBeans und Eclipse darf JetBrains nur von Schülern/Studenten und Lehrern kostenlos genutzt werden. Für alle anderen kostet die IDE 89 € im Jahr, Unternehmen blechen 199 € dafür. Teuer ist was anderes, man möge mich nicht falsch verstehen! Der Hosting-Preis einer einzelnen MSSQL-Instanz alleine kostet bei Micro$soft ein Vielfaches von dem. Aber sind halt Kosten, die erstmal anfallen.

Fazit an der Stelle: PhpStorm gibt’s nur für Hobbyentwicklung kostenlos – isso!

PHP-Entwicklung mit PhpStorm von Jetbrains

Gesamtfazit

Mein Ziel ist es nicht, gegen IDEs zu hetzen. Bei der Entwicklung mit stark typisierten Compiler-Sprachen sind sie kaum wegzudenken. Jedoch wollte ich mal darauf hinweisen, dass eine IDE noch lange nichts über Arbeitsweise oder Professionalität aussagt.