Die Watchlist Internet ( „Beobachtungsliste Internet“) berichtet regelmäßig über neue Betrugsfälle und Gefahren im Internet. Darunter fallen zum Beispiel gefälschte Online-Shops und E-Mails, die verbreitet werden. „Die Watchlist Internet ist eine unabhängige Informationsplattform zu Internet-Betrug und betrugsähnlichen Online-Fallen aus Österreich“, erklärt das Team auf seiner Internetseite. Das Ziel lautet: Internetnutzer aufklären und warnen, bevor sie in die Falle tappen. Wurde Geld in gefälschten Online-Shops ausgegeben, ist dieses meist weg. Die Betreiber hinter den Shops verschleiern ihre Identität und sind oft nicht auffindbar.

Informieren und melden

Wird eine Internet-Falle bekannt, erscheint dazu ein Beitrag auf der Internetseite und warnt die Leserinnen und Leser. Wer selber beispielsweise einen verdächtigen Online-Shop findet oder eine Phishing-Mail erhält, kann das auf der Internetseite melden. Nach einer Prüfung erscheint ebenfalls ein neuer Beitrag, falls es sich tatsächlich um Betrug handelt. Wie genau diese Prüfung abläuft, hat mir Watchlist Internet auf Anfrage beantwortet: „Der Großteil lässt sich aufgrund von Mehrfachmeldungen oder Erfahrungswerten binnen Sekunden als Betrug erkennen. Andere Meldungen bedürfen tiefergehende Recherchen, wie das Durchsuchen von Firmenregistern, Ungereimtheiten in Anbieteridentifizierungen, Whois-Datenabfragen, Durchlaufen der (womöglich) betrügerischen Anmeldeprozesse, Nachfragen bei echten Unternehmen, deren Identitäten missbraucht werden etc.. Das Vorgehen unterscheidet sich jedenfalls von Betrugsmasche zu Betrugsmasche“, heißt es.

Die Erfolgschancen sind also groß, dass ein Betrug auch als solcher entlarvt wird. Das Team arbeitet mit vielen Daten und recherchiert umso intensiver, je unklarer ein Verdachtsmoment ist. Meldungen können sehr leicht über das Formular auf der Internetseite vorgenommen werden.

Listen unseriöser Internetseiten

Nicht nur vor Shops wird gewarnt. In der Liste unseriöser Internetseiten sind zahlreiche Kategorien verzeichnet, beispielsweise unseriöse Streaming-Plattformen, betrügerische Immobilienagenturen und mehr. So kann jeder schnell und einfach prüfen, ob ein Shop oder Anbieter hält, was er verspricht.

Hier ein Beispiel: wer sein Smartphone verliert, kann es mithilfe von Ortungs-Apps wiederfinden. Ein Anbieter nennt sich Locating und bietet die Ortung des eigenen Smartphones für nur 50 Cent an. Der Haken an der Sache ist, dass es sich um ein Probe-Abo handelt. Nach Ablauf der 24 Stunden werden fast 50 Euro pro Monat fällig. Aus diesem Grund hat Watchlist Internet den Anbieter als betrügerischen Handyortungsdienst eingestuft. Wer denkt, dass das ein Einzelfallt ist, irrt sich. In die Liste der unseriösen Ortungsdienste reihen sich noch viele weitere ein, wie auf ORF.at nachgelesen werden kann.

Bleibt es nur bei Warnungen auf der Website?

Diese Frage kann man ganz klar mit „nein“ beantworten. Auf meine Frage, ob Watchlist Internet mit den Behörden im Austausch steht, antwortet man mir: „Es findet ein laufender Austausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden und uns statt. Bei besonders problematischen Inhalten und Betrugsmaschen, bei denen eine Strafverfolgung erfolgsversprechend scheint, erfolgt auch durch uns eine Weiterleitung. Betrugsopfern raten wir in der direkten Kommunikation häufig zur Anzeige und geben dazu entsprechende Handlungsempfehlungen“. In einem Betrugsfall ist es also auf jeden Fall ratsam, die Watchlist-Experten zu involvieren.

Weiter erzählt man mir, dass es seitens der Regierung noch Verbesserungspotenzial gibt. Oft sitzen Betrüger im Ausland oder verwenden Anonymisierungsdienste, was eine Strafverfolgung fast unmöglich macht. Hier wäre eine bessere, internationale Vernetzung der einzelnen Behörden wohl vorteilhaft.

Persönliche Meinung

Mir gefällt die Idee der Watchlist Internet richtig gut. Selbst für internetaffine Personen ist es nicht immer sofort klar, dass es sich um Betrug handelt. Meist verrät erst der tiefere Blick ins Impressum, dass es sich um einen unseriösen Shop handelt. Im Alltag ist eine gefälschte E-Mail – im Namen der Post versendet – schneller angeklickt, als einem vielleicht lieb ist.