Vor einigen Monaten habe ich einen Artikel verfasst, in dem ich WhatsApp und Telegram vergleiche. Zu dieser Zeit war ich von Telegram überzeugt und wollte WhatsApp aktiv den Rücken kehren. Nun ändert WhatsApp seine Richtlinien. Warum ich mich damals trotzdem geirrt habe, erkläre ich in diesem Beitrag.

Woher die neue Sichtweise?

WhatsApp ändert seine Richtlinien und sorgt damit ordentlich für Zündstoff, drängt seine Nutzer zu massiven Änderungen. Wer diese nicht bis zum 15. Mai dieses Jahres akzeptiert, kann WhatsApp nicht weiter nutzen.Ursprünglich war sogar der 08. Februar als Ultimatum angesetzt worden, dieser Termin wurde nach Protesten aber verschoben. Jedenfalls steht es so im offiziellen Blog von WhatsApp.

Das ist eine gute Gelegenheit, die alten Muster, die sich in den Alltag eingeschlichen haben, zu hinterfragen. Seit Juli nutze ich Telegram parallel zu WhatsApp. Ganz ist der WhatsApp-Ausstieg aus persönlichen Gründen nicht gelungen, das ist auch in Ordnung so. Allerdings gehen die Empfehlungen im Moment eindeutig in eine Richtung: Es wird zur Nutzung der App Signal geraten.

Besonders dieser Absatz in den neuen WhatsApp-Richtlinien (der meines Wissens nach nicht neu ist), hat es in sich:

Die Lizenz von dir gegenüber WhatsApp. Damit wir unsere Dienste betreiben und bereitstellen können, gewährst du WhatsApp eine weltweite, nicht-exklusive, gebührenfreie, unterlizenzierbare und übertragbare Lizenz zur Nutzung, Reproduktion, Verbreitung, Erstellung abgeleiteter Werke, Darstellung und Aufführung der Informationen (einschließlich der Inhalte), die du auf bzw. über unsere/n Dienste/n hochlädst, übermittelst, speicherst, sendest oder empfängst.

Oder auf Deutsch: Du gibst uns das Recht, mit deinen Daten zu tun und zu lassen, was wir wollen. Das ist bei einem Dienstanbieter im Internet keine Seltenheit. Allerdings sollte man sich lieber zwei Mal überlegen, wem man dieses Recht gewährt.

Telegram’s große Schwäche

… das klingt im ersten Moment wie ein Liebesroman und doch ist die Schwachstelle weder neu, noch ein Geheimnis. WhatsApp speichert Nachrichten, Bilder, Sprachnachrichten usw. grundsätzlich nur auf dem Absender- und Empfänger-Gerät. Es wird sogar versprochen, dass Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt sind. Das würde bedeuten, dass es erstmal keine schlichte Möglichkeit gibt, die Nachrichten im Klartext von einem lokale Ort in lesbarer Form abzugreifen. Meine Daten sind also laut Versprechen nur auf meinem Handy gespeichert und auf dem Empfänger-Handy. Punkt.

Anders sieht es bei Telegram aus. Daten werden grundsätzlich auf Telegram-Servern gespeichert. Das lässt sich leicht daran erkennen, dass die Telegram-App und das Programm für den Computer unabhängig voneinander funktionieren (schaltet mal die Netzwerkverbindung auf eurem Handy aus und startet das Programm auf dem Computer . Wo es bei WhatsApp einen Fehler gäbe, startet Telegram auf dem Computer wie gewohnt, auch wenn das Handy nicht erreichbar ist. Eben weil die Daten vom Telegram-Server geladen werden. Bei WhatsApp werden sie vom Handy geladen).

Daten werden im Gegensatz zu WhatsApp erstmal als „zentrales Gut“ behandelt. Wie bei einem Post auf Instagram oder Facebook, der jederzeit zur Verfügung steht.

Dass ich bei Telegram alle meine Nachrichten, Bilder, Sprachnachrichten usw. in fremde Hände geben muss, ist nicht datenfreundlich. Dass das bei bei WhatsApp nicht nötig ist, ist definitiv ein Pluspunkt. Denn damit bin einzig und alleine ich für die Sicherung meiner Daten verantwortlich und kann steuern, wer Zugang (zu meinem Handy) erhält.

Und was jetzt?

Signal installieren. Jedenfalls, wenn es nach der Nase von Jan Böhmermann und vielen anderen Personen aus dem Netz geht. Signal ist übrigens ein Open-Source-Projekt. Der Quellcode des Programms liegt offen und jeder kann dazu beitragen (vorrangig die Sicherheit verbessern und neue Funktionen hinzufügen). Super ist daran auch, dass ich mir anschauen kann, wohin Signal eventuell telefoniert, ob es zum Beispiel sogenannte Back Doors (Hintertüren) gibt, die neugierigen Behörden und Unternehmen gegebenenfalls Zugang zu persönlichen Daten ermöglichen.

 

Jan Böhmerann rät: Löscht WhatsApp und installiert Signal

 

Das Ganze ist wie WhatsApp und Telegram kostenlos und wird von der Community getragen. Es steht also kein Unternehmen dahinter, das in irgendeiner Weise Einfluss nimmt. Mich überzeugt es und ich habe Signal testweise heruntergeladen. Vielleicht ist das erneut ein überstürzter Test wie damals mit Telegram. Und vielleicht schreibe ich dann in einem halben Jahr einen kritischen Beitrag über Signal und es ist dann ein neuer Messenger, den ich vorstelle.

Bis dahin jedenfalls erstmal

Stay healthy, safe and private 😉